Werbung? Ja bitte – nur bitte nicht auf Englisch!
Werbung muss eingängig sein. Prägnant, klangvoll und – verständlich! Das haben wohl einige Werbe-Experten nicht ganz verstanden und Deutschland mit englischen Werbe-Sprüchen versehen. Was die Deutschen verstehen und ob das ganze überhaupt Wirkung zeigt?
Werbung oder Marketing?
Wenn in Deutschland geworben wird, dann oft in der Trendsprache Englisch, obwohl eigentlich amerikanisch gemeint ist. Nicht nur Berufe und Berufsfelder werden heutzutage englisch bezeichnet, und niemand weiß
mehr genau, was mit “Purchasing Management” bezeichnet wird oder der “Chief Marketing Officer Aviation Ingenieur” genau tut. “Werbung” wird heute zusätzlich nicht nur auf Englisch entworfen, sondern offenbar auch inhaltlich von “Marketing” unterschieden, obwohl beides die kommunikativen Mechanismen zur Einleitung eines Tauschhandels bezeichnet.
Werbung in Deutschland: “Marketing”, “Claims” und “Slogans”
Aber auch Werbesprüche, englisch “Slogans” und im Marketing sogar “Claims” genannt, werben heute auf Englisch, obwohl zum Beispiel DESI (als eine Art PISA-Vergleichsstudie) bei einer internationalen Untersuchung der Englisch-Kenntnisse 15-jähriger Schüler zu dem erschreckenden Ergebnis kommt, dass über ein Drittel kaum einen Satz auf Englisch verstehen kann. Englische Werbung macht damit doch eigentlich gar keinen Sinn?
Werben auf Englisch – der Coolness-Faktor
Doch, englische Werbesprüche machen Sinn, sagt zumindest BILD.de. Zwar werden sie von Deutschen kaum vernünftig übersetzt, aber sie verkauften sich trotzdem, wie englischsprachige Musik. Je eingängiger die Sprachmelodie und der Jingle des englischen Slogans, desto mehr verbände sich der Slogan mit dem Produkt. In dem Artikel wird trotzdem eine ganze Galerie der witzigsten und skurrilsten deutschen Übersetzungen von englischen Slogans in der deutschen Werbung angeboten.
Englische Slogans in der Werbung: Lassen uns emotional kalt
Nein, englische Werbung macht keinen Sinn, sagt dagegen die Dipolmarbeit einer Dortmunder Studentin am Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund. Unter Leitung des Professor Krämer, der seit Jahren als Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache für ihre Reinhaltung plädiert, kam sie zu dem Ergebnis, dass uns englischsprachige Werbeslogans kalt ließen. Gemessen über den elektrischen Hautwiderstand wie beim Lügendetektor, entwickelten die Probanden offenbar keine emotionalen Regungen zu den englischen Slogans, auch wenn sie die Werbung sehr gut verstanden. Darüber berichtete der SPIEGEL online.
Mein Tipp: Überlegen Sie, wer Adressat ihrer Marketing- bzw. gut deutsch Werbe-Strategie sein soll. Schneidern Sie Ihre Slogans bzw. Werbe-Sprüche auf Ihre Kunden zu, gestalterisch sowieso (siehe zum Beipiel meinen Artikel zu Visitenkarten-Designs), aber eben auch sprachlich wie auch inhaltlich. Dann kommt ihre Werbung - ob deutsch oder englisch - hoffentlich auch gut an.
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