Grand Resum | Die Arbeitswelt






         Gewerbe, Unternehmen und Arbeitnehmer

5. Juli 2010

Arbeitslosigkeit in der Bewerbung gut verkaufen

Filed under: Lohnbekommer — Franzi @ 11:54
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Das Stellenagebot gefällt, die Bewerbung steht, aber wie zum Teufel bekommen wir noch lückenlose Lebensläufe hin? Kleine Lücken lassen sich kaschieren, bei den Großen hilft wohl nur, dazu zu stehen. Wie sie sich trotzdem verkaufen können.

Lange Arbeitslosigkeit ist nicht nur für den Lebenslauf nicht gutArbeitslosigkeit im Lebenslauf – ein Grund zur Scham?

Die Bewerbung soll uns darstellen, authentisch sein. Der Personaler soll einen möglichst positiven Eindruck von uns erhalten. Wenn der Bewerber aber lange arbeitslos war, widersprechen sich Authentizität und der positive Eindruck aber eventuell. Wer einen Lebenslauf voller Lücken aufweist, wird alles andere als optimistisch auf seine Zukunft schauen. Bei aktuellen Arbeitslosigkeitszahlen von 3,6 Millionen (geschönte Zahlen bei der Agentur für Arbeit), sollte klar sein, dass das viele Bewerber betreffen wird und Zeiten der Arbeitslosigkeit kein Grund zur Scham sind.

Arbeitslosigkeit im Lebenslauf – Kleine Lücken kaschieren

Lückenlose, chronologische Lebensläufe werden erbeten. Dabei können die Zeitangaben ruhig in Monat/Jahr erfolgen. Bis zu knapp zweimonatige Arbeitslosigkeit lässt sich damit quasi retouschieren, wenn zum Beispiel “bis 03/2009″ gearbeitet wurde und “ab 04/2009″ wieder, kann das eine Kündigung zum Ende Februar gewesen sein und eine Arbeitsaufnahme spontan Ende April. Die Arbeitslosigkeit von Anfang März bis Ende April sieht man in diesem Lebenslauf nicht. Bei einer Bewerbung aus einer aktuellen Arbeitslosigkeit heraus bietet sich zum Beispiel die Formulierung “Aufgrund betrieblicher Kündigungen bei XY kann ich Ihnen sofort zur Verfügung stehen” an.

Zeiten der Arbeitslosigkeit im Lebenslauf neu definieren

Waren Sie mehrere Monate arbeitslos? Schreiben Sie mindestens “arbeitssuchend”, das hört sich aktiver an. Besser noch ist: “berufliche Neuorientierung” oder einfach “Bewerbungszeitraum”. Stellen Sie fest, dass ihre Arbeitslosigkeit länger zu werden droht, beginnen Sie möglichst sofort mit einer Weiterbildung, einem Kursus oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Das beweist allemal Engagement. Sie dürfen in Ihrem Lebenslauf aber nicht lügen! Aus dem wöchentlichen Einkauf für die eigene Oma darf keine “ehrenamtliche Tätigkeit als Altenhelfer” werden.

Lange Arbeitslos? Stehen Sie dazu!

Wenn Sie wirklich lange arbeitslos waren, gab es einen Grund dafür. Den sollten Sie für sich selbst analysiert und überwunden haben. Wenn Ihre lange Arbeitslosigkeit nicht allein persönlicher Natur war und die Krise in Ihrem Bereich anhält, muss eine berufliche Neuorientierung erfolgen, egal, wie eingefahren Sie sind. Kein Personaler wird verstehen, dass Sie zehn Jahre lang lieber nichts taten, als mit einem Berufswechsel ihrer Arbeitslosigkeit zu entgehen. Stehen Sie zu Ihrem Lebenslauf! Und nutzen Sie die “Dritte Seite“, um in Kürze darzustellen, welche Krise, persönlich oder wirtschaftlich, Sie wie gemeistert haben, um der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Die Stärke, die Ihnen das verlieh, kann Ihnen auch beruflich helfen.

[IMG © flickr / Last Hero]

2. Juli 2010

Arbeitsaufnahme aus ALG-Bezug: Zuflussprinzip kann zur Verschuldung führen

Filed under: Allgemein,Auf eigenen Beinen,Lohnbekommer — Franzi @ 10:35
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Sie haben nach einiger Zeit unter Hartz-Gesetzen und vielen Bewerbungen endlich einen Arbeitsvertrag unterzeichnet und freuen sich auf das erste Gehalt? Ich möchte Ihnen die Freude nicht vermiesen, aber haben Sie dabei auch das Zuflussprinzip bedacht? Sonst drohen Schulden in Höhe ihres Arbeitslosengeldes.

Der Zufluß - dank Hartz führt er heute zur VerarmungDas Zuflussprinzip: Was heißt das?

Hartz hat sich eine tolle Neuerung für die Bezieher der Arbeitslosenunterstützung ausgedacht, die ARGEN sparen damit sicherlich Millionen! Ich meine das sogenannte Zuflussprinzip, nach dem Gelder jeweils für den Monat anzurechnen sind, in welchem sie auf das Konto gehen, verfügbar sind. Entlehnt wurde das Zuflussprinzip dem Einkommenssteuerrecht, das aber jährlich berechnet. Wortwörtlich heißt es in den ALG II-V § 2 Abs. 2 und 3: “Laufende Einnahmen sind für den Monat zu berücksichtigen, in dem sie zufließen.”

Wie das Zuflussprinzip Gelder einspart

Erhält ein Arbeitnehmer seinen Lohn, der wie üblich im Nachhinein, also nach erbrachter Leistung gezahlt wird, am 31. eines Monats, ist er fein raus. Ab dem 1. des Folgemonats kann er laut Zuflussprinzip auch noch Gelder von den Ämtern einstreichen. Wird Lohn aber zum Beispiel bei Selbstständigkeit und Zahlung nach Rechnungsstellung oder aufgrund von Feiertagen verspätet ausgezahlt, erhält der Jobcenter-Kunde laut Zuflussprinzip für den Monat kein Geld (oder nur verrechnet), in dem er seinen letzten Lohn bekommen hat.

Die Asymmetrie des Zuflussprinzips
Obwohl Arbeitslosenunterstützung im Voraus bezahlt werden soll und der Lohn im Nachhinein gekommen war, behalten die Ämter mit der Begründung durch das Zuflussprinzip diese Gelder ein. Andersherum gibt es Überbrückungsgelder für Jobeinsteiger aber nur noch als Darlehen! Nehmen Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus also einen Job an, der am 31. desselben Monats spätestens ausbezahlt wird, besagt das Zuflussprinzip, dieses Geld rückwirkend auf den ersten Arbeitsmonat noch anzurechnen! Übrigens gilt das auch für Abfindungen, die nicht als Vermögen gälten (Süddeutsche dazu).

Was bedeutet das Zuflussprinzip schlimmstenfalls für den zukünftigen Arbeitnehmer?

Sobald dem Amt mitgeteilt wird, dass ein Arbeitsvertrag unterzeichnet wurde, sei er auch nur auf Probe oder sogar befristet, wird kein Geld mehr gezahlt. Erst wollen die Sachbearbeiter die Arbeitsveträge und Lohnbescheide sehen. Melden Sie den Arbeitbeginn niemals an, bevor nicht das letzte Geld geflossen ist! Auch ohne Zuflussprinzip. Dass Sie laut diesem Zuflussprinzip von dem Gehalt nicht einmal im Nachhinein Miete und Lebensunterhalt sowie den nächsten Monat ebenfalls bestreiten können, interessiert seit Hartz offenbar niemanden mehr.

Welche Möglichkeiten gibt es, dem Zuflussprinzip zu entkommen?

Wenn sie die Personalabteilung ihres zukünftigen Arbeitgebers nicht direkt belatschern wollen ihren Lohn mal ausnahmsweise etwas später zu zahlen, versuchen Sie es mit einem Schreibfehler bei der Bankleitzahl. Die Argen, die auf ihrem unfairen Zuflussprinzip beharren, verweisen dagegen auf  Vorschüsse vom neuen Arbeitgeber (oh, was für ein Eindruck! Zumal am ersten die Miete fällig ist und zu dieser Zeit noch nicht ein Tag gearbeitet wurde…). Darlehen, die ihren Arbeitsbeginn über Gebühr belasten würden, wurden mit Beginn 2009 eh abgeschafft. (more…)

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