Arbeitszeitmodelle und Familienfreundlichkeit
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sind gefragter denn je. Die Abwälzung familiärer Pflege auf die Familie und der Nachwuchs bereiten Arbeitnehmern und solchen, die es werden wollen, aber noch immer großes Kopfzerbrechen. Gleichzeitig macht Frau von der Leyen den Vätern Druck, mit der erweiterten Elternzeit ebenfalls ihr Scherflein beizutragen, und Mütter sind gefragt, sich schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Unternehmen und Behörden ziehen jedoch nicht mit.
Familienfreundliche Unternehmensführung? In Deutschland Fehlanzeige!
Auch wenn sie anderes gelesen haben: Deutschland wird nicht familienfreundlicher. Selbstständige sowieso ausgenommen, haben kaum Arbeitnehmer Chancen auf eine familienfreundliche Arbeitszeitmodellierung. Der Trend geht zur Aufweichung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, indem Effizienzinteressen bezüglich wechselnder Auftragslagen mehr und mehr auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Unternehmerfreundliche Arbeitszeitflexibilisierung contra familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Wer wird wohl gewinnen?
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle vorgestellt
Vorstellen kann ich die schier visionären Arbeitszeitmodelle aber trotzdem. Gleitzeit kennt dabei wohl jeder. Ein weiteres, unbekannteres familienfreundliches Arbeitszeitmodell ist die Telearbeit, bei der Teile des Arbeitsvolumens in Heimarbeit erledigt werden. Kinderbetreuung wird damit erleichtert, die Arbeit allerdings gegebenenfalls erschwert. Manche Unternehmen (zum Beispiel Telekom, siehe Focus online) stellen Arbeitsmittel und beteiligen sich an Strom- und Heizkosten sowie der Telefonrechnung. Gegebenenfalls wird auch die Arbeitsbekleidung übernommen, sofern es für die Heimarbeit benötigt wird. Überstundenverwaltung per Arbeitszeitkonto kann ebenfalls als familienfreundliches Arbeitszeitmodell fungieren, vor allem bei Betreuungsbedarf zu Ferienzeiten. Familienfreundlichstes Arbeitszeitmodell ist und bleibt aber die Teilzeit, zum Beipiel auch im Job-Sharing zu praktizieren, so haben gleich zwei oder drei etwas davon.
Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle: So kann es klappen!
Ob die Arbeitszeitflexibilisierung allerdings zu Arbeitnehmer- oder Arbeitgeberlasten entfällt, hängt viel von ihrer Organisation ab. Kommunikation ist das Stichwort! Tipps dazu vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB:
Für ein familienfreundliches Arbeitszeitmodell nehme man…
- einiges an Optimismus
- eine tiefgreifende Analyse des Ist-Zustandes
- jede Menge Kreativität für unternehmesindividuelle Lösungsansätze zu neuen Arbeitszeitmodellen
- man definiere klare Ziele und Vorteile familienfreundlicher Arbeitszeiten für das Unternehmen und die Mitarbeiter
- man erarbeite in Kooperation mit den MitarbeiterInnen und der Unternehmensleitung die gewünscht familienfreundlichen Arbeitszeitmodelle
- wähle den geeigneten Zeitpunkt für die Einführung der Arbeitszeitmodelle
- man überzeuge das mittlere Management von den motivierenden Vorteilen familienfreundlicher Arbeitszeitmodelle
Viel Erfolg!
[IMG © flickr / Ernst Vikne]
