Wenn der Chef mobbt: Bossing
Mobbing ist als Begriff durch die Meiden gegangen. Selbst an Schulen wird aufgeklärt, weil Mobbingopfer bis in den Tod getrieben wurden. Es gibt Mobbinghilfe-Seiten, Mobbing-Rechtvertretungen, mobbinggeschulte Personalvertreter in den Unternehmen. Was aber, wenn das Mobbing nicht vonseiten der Kollegen erfolgt, sondern vom Chef?
Bossing – Mobbing von der Chefseite
Mobbing kommt von mob bzw. to mob (Menge, bedrängen, drangsalieren) und bezieht sich im Normalfall auf die Menge der Angestellten. Unter Kollegen ist Kollegialität ganz und gar nicht en vogue, die Ellenbogengesellschaft lässt sich gerade in Wirtschaftsflauten messbar in Mobbing aus. Auf Kosten von Kollegen wird sich da im Beruf nach oben intrigiert, die Mobbingopfer dagegen werden oft psychisch belastet, manchmal sogar krank. Depressionen oder Aggressionen, sogar körperliche Folgeerscheinungen kann es beim Mobbing geben. Oft hilft es bei Mobbing, sich mit dem Chef auszusprechen, um eine andere Struktur in die Abteilung zu bekommen oder ein klärendes Signal zu setzen: Ich lasse das nicht mit mir machen. Was aber, wenn der eigene Chef einen mobbt?
Bossing – wie äußert es sich?
Wenn der Chef wechselt, kommt es oft zu einer Verschiebung der Aufgaben. Der neue Boss hat neue Favoriten und eine andere Herangehensweise. Vormals hochgelobte Mitarbeiter werden dann ins Abseits gerückt und bekommen Aufgaben unter ihrer Qualifikation oder sogar sinnloses zugewiesen. Bossing nennt man das gezielte Mobbing eines Untergebenen, der nicht mehr an verantwortungsvolle oder spannende Aufgaben gelassen wird und von manchem Informationsfluss ausgeschlossen wird. Aber auch ohne Wechsel kann man in Ungnade eines Chefs fallen und plötzlich nicht mehr für voll genommen werden. Schlimmstenfalls wird beim Bossing auch noch schlecht über denjenigen gesprochen, was die Sichtweise der eigenen Kollegen auf ihren Mitarbeiter verändert, ob da was dran ist oder nicht. FAZ.net hat zu Bossing auch einige Artikel geschrieben.
Bossing – an wen wende ich mich?
Wenn der Chef Bossing betreibt und einen Angestellten mobbt, fällt die Chefetage als Ansprechpartner aus. In großen Unternehmen existieren Personalräte und andere Vertrauenspersonen für interne Reibereien bis hin zu Mobbing. Auch der oder die Gleichstellungsbeauftragte ist auf Mobbing-Vorwürfe geschult und meist in Konfliktlösung trainiert. Ansonsten hilft bei Bossing nur noch eine Rechtschutzversicherung abzuschließen, damit Sicherheit bei Kündigung besteht. Ein Mobbingtagebuch macht übrigens auch bei Bossing Sinn. Noch wichtiger als beim Mobbing sowieso schon ist das Zeugnis; Zeugen für Unterstellungen und Ungleichbehandlungen sind absolut nötig, wenn beim Vorgesetzten des eigenen Chefs dann nach dem Recht des Untergebenen (Obligationenrecht (Art. 328 OR) und Arbeitsrecht (Art. 6 ARG)) ein klärendes Gespräch versucht wird, auch, weil diese Kollegen als Vertraute im Kampf gegen das Bossing weiter Halt geben, wenn die Obersten unter sich das Bossing zulassen und nichts dagegen unternehmen. Offizielle Hilfe bietet unter anderem die Initiative gegen Mobbing (link).
