Wer heute seinen Fuß in die Arbeitswelt bekommen möchte, stolpert früher oder später darüber, dass von ihm unentgeltlich bis niedrig bezahlte Arbeit in Form eines Praktikums verlangt werden wird. Selbst als Einstieg zu Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und nach einem Studium sind heute Praktika an der Tagesordnung. Wie sinnvoll ist es aber, sich so billig zu verkaufen?
Praktika vor dem ersten Job- von wem werden sie verlangt?
Schüler machen Praktika zur Orientierung. Zwei bis drei Wochen lang arbeiten sie mit, gehen zur Hand, schnuppern mal rein. Aber Erwachsene? Wer sich beipielsweise wegen des Erziehermangels zum Erzieher umschulen lassen möchte, muss praktische Erfahrungen nachweisen – mindestens ein halbes Jahr lang soll man also im Praktikum unentgeldlich mitarbeiten, um zu beweisen, dass man nicht nur motiviert ist und Durchhaltevermögen zeigt, sondern auch, dass man persönlich geeignet ist. Das füllt den Lebenslauf. Inzwischen macht die Idee “Praktikum” die Runde, ein Gespenst geht um…
Generation Praktikum – der Umgang mit den Praktikanten
Studenten kennen die “Praktika” sowieso; meist endet man als unbezahlte oder nur unterdurchschnittlich bezahlt als Vollzeitkraft in einer namenlosen Masse anderer Praktikanten eines Großunternehmens ohne Chance auf wirkliche Berufserfahrung oder gegenseitiges Kennenlernen. Und auch nach der Ausbildung und dem Studium verfolgt das Schreckgespenst “Praktikum” inzwischen diejenigen, die gehofft hatten, mit dem neuen Beruf endlich ein bißchen Geld verdienen zu können.
Praktikum, schlecht oder gar nicht bezahlt – lohnt es sich denn wenigstens?
Ja, die praktische Erfahrung lohnt, sagen soziologische Studien der Technischen Universität Dresden. Zumindest für Universitätsabsolventen beschleunigen Praktika nachweislich den Zutritt zum Arbeitsmarkt. Ein Praktikum im Ausland halbiere sogar die durchschnittliche Zeit der Jobsuche. Sicherlich ist dieses Ergebnis aber übertragbar auf viele Berufsfelder! Denn viele Firmen benötigen durch zum Beipiel Outsourcing heute Mitarbeiter, die im Umgang mit ausländischen Firmen versiert sind. Die Chance, den zukünftigen Arbeitgeber als Praktikant kennenzulernen, ist dabei auch gar nicht so gering! Und auch das Arbeitsamt darf ein Praktikum nicht verweigern, weil es jederzeit kündbar ist, sollte von Amts wegen das unwahrscheinliche Stellenangebot ins Haus flattern.
Praktika bringen Berufserfahrungen, aber nicht nur sie!
Für fast jedes Berufsfeld ist das Über-den-Tellerrand-schauen eines beruflichen Auslandsaufenthaltes von Vorteil. Praktische Arbeitserfahrungen unter einem Praktikumsvertrag (Infos zum Beipiel von der DGB-JUgend) oder als Nebenjob neben der Ausbildung ja sowieso. Wobei nicht allein die Praktika und Berufserfahrungen des jeweiligen Berufes zählen! Wer etwa als Nebenjob in der Videothek gejobbt hat, hat viel über Verkauf und Verleih gelernt und beherrscht erfolgreich vor allem schon einmal das zwischenmenschliche Miteinander von Teambesprechungen, sozialem Umgang und Arbeitsplänen. Erfolgs-Vorteil auch für alle Quereinsteiger: Berufserfahrungen in der Bewerbung positiv verwerten!
Praktika erhöhen Chancen auf Erfolg – und das Gehalt!
Dieselbe Studie der Technischen Universität Dresden (TU-Dresden) liefert übrigens auch – zwar wiederum nur für Hochschulabsolventen, aber immer wieder kann ich nur sagen: das ist nicht nur für Akademiker interessant!) das Ergebnis, dass Absolventen von Berufspraktika erfolgreich mit einem höheren Gehalt in den Arbeitsmarkt einsteigen! Durchschnittlich 500,-€ mehr bekamen die Berufsanfänger mit einschlägiger Berufserfahrung durch ein Praktikum! Das sollte das beste Argument sein für eine weitere unter- oder unbezahlte Zeit der Arbeit als Garanten für Erfolg – das Praktikum. Und wichtig dabei: Praktikanten haben rechtlichen Anspruch auf Information und Einarbeitung, Einblick in verschiedene Abteilungen und Arbeitsweisen! Also: nicht nur ausbeuten lassen.
[IMG © flickr / Ian Muttoo]
Hinterlasse einen Kommentar