Working Capital: wieviel Kapital in ihrem Unternehmen festhängt
Die Krise scheint vorbei, Kapital fehlt trotzdem an Ecken und Enden. Gerade bei steigender Kaufrate müssen Unternehmen in Rohmaterialien investieren, ohne aus der Krise unbedingt finanzstark herausgekommen zu sein. Eine einfache Möglichkeit der Kapitalgewinnung steckt in den Begriffen Working Capital bzw. Net Working Capital.
Working Capital – was versteht sich darunter?
Der Begriff “Working Capital” soll von einem fahrenden, amerikanischen Händler stammen, der einen Wagen und einige Waren besaß, die er verkaufte und wieder einkaufte. Bei einer so einfachen Unternehmensstruktur wie dieser Selbstständigkeit stellen die Waren das Working Capital dar. Sobald sie bezahlt wurden, bilden sie das im Geschäft gebundene Kapital und zwar bis zu dem Moment, wo ein Kunde beim Kauf für eine Ware bezahlt. Damit wird das Kapital wieder freigesetzt. Dabei werden nur die kurzfristigen Mittel in Betracht gezogen, also der Teil des Umlaufvermögens, der nicht langfristig (länger als ein Jahr) gebunden ist und deshalb im Betrieb “arbeitet”. Das Working Capital gilt als ein Maß für die Liquidität eines Unternehmens.
Working Capital im Fertigungs- bzw. Produktionsprozess
Etwas komplexer wird das Working Capital zum Beispiel bei Fertigungsprozessen: Sobald Rohmaterialien angekauft wurden, wird ein Rechnungsbetrag fällig. Mit Begleichen der Rechnung wird das Kapital gebunden und durchläuft etliche Stadien der Fertigung, Verpackung bis zum Verkauf. Es finde sich verschiedene weitere Stellgrößen für eine Optimierung des unternehmenseigenen Working Capital innerhalb solcher Prozesse. Wird dann die Rechnung für das Endprodukt durch einen Kunden beglichen, ist das Working Capital wieder frei für neue Roheinkäufe.
Working Capital versus Net Working Capital
Beim ursprünglichen Working Capital wurden sogenannte Verbindlichkeiten nicht ausreichend berücksichtigt. Aktueller ist daher der Umgang mit dem Net Working Capital, das um kurzfristiges Fremdkapital bereinigt wurde. Kurzfristiges Fremdkapital entsteht unter anderem aus Lieferungen und anderen Verbindlichkeiten, die nicht sofort zu begleichen sind. Die Frist bis zum fälligen Zahlungstermin stellt einen Kredit dar, in dem der Lieferant in Vorleistung gegangen ist.
Optimieren Sie ihr Working Capital doch mal!
Für eine adäquate Optimierung des Working Capitals eines komplexen Unternehmens ist es sicherlich ratsam, einen Betriebswirtschaftler zu Rate zu ziehen. Aber gerade in kleineren Geschäften reichen manchmal ein paar kritische Beobachtungen aus, weil die Zahlen von Einkauf und Lagerung überschaubar sind. Optimieren lassen sich verschiedene Punkte. Da wären die Skonti bei pünktlicher Rechnungsbegleichung oder andersrum die konsequente Ausnutzung von Zahlungsfristen. Nicht zu früh zahlen, sondern eher längere Fristen aushandeln ergibt quasi kostenlose Mikrokredite. Auf der anderen Seite müssen ihre Forderungen so bald wie möglich begleichen werden, damit das Kapital wieder befreit wird. Mahnen Sie schnell und konsequent oder ziehen Sie ein Factoring (z. B. der Postbank) in Betracht. Auch Einkauf und Lagerung können optimiert werden. Zu den einzelnen Punkten der Working Capital-Optimierung folgen aber weitere Artikel.